Wesley Crusher und Wil Wheaton aus "Star Trek: The Next Generation" (eine Nachfolgeserie zu Raumschiff Enterprise) - ein Paradebeispiel für Projektion der eigenen abgelehnten Seiten und eigenem Widerstand darauf.
Was ist Projektion?
Das Bild, das Sie von jemanden oder etwas haben, ist Ihre Projektion.
Was ist Widerstand?
Die Ablehnung, die Sie auf eine Eigenschaft oder Verhaltensweise spüren.
Der junge Teenager und Kadett der Raumflotte Wesley Crusher ist in der Serie "Star Trek - Die nächste Generation" (einem Spinoff von Raumschiff Enterprise) die Hommage an die jüngeren Zuschauer. Ein Teenager auf einem halbmilitärischen Raumschiff, der auffiel durch Besserwisserei, Genie und nerviger (?) Kindlichkeit. Diese Figur wurde von vielen der Zuschauer und Fans der Serie geradezu gehaßt und für viele der dargestellten Verhaltensweisen verurteilt. Er selbst - der Schauspieler Whil Wheaton - hatte starke Entwicklungsprozesse mit seiner Figur in seinem eigenen Leben durchgemacht. Wichtige Teile davon könnten auch in unserem persönlichen Leben stattfinden... :-) Mal sehen, was wir von ihm lernen können.
Ein Zitat aus dem Newsletter "TrekZone Network - Daily Trek Weekend #2404" der Fan-Website www.trekzone.de:
"Es gibt im Fernsehen Charaktere, die bei allen Zuschauern derart verhasst sind, dass man schon seltsam sein muss, wenn man nicht auf ihnen herumhackt. Einer, der davon ein Lied singen kann, ist Wil Wheaton, der den häufig in den Schmutz gezogenen Wesley Crusher in "Star Trek: The Next Generation" gespielt hat.
Ein Blick auf seine selbst gemachte Website WilWheaton.net bringt Lesevergnügen, da Wil regelmäßig Neues in seinem Blog veröffentlicht. Einen Ausschnitt aus seinem aktuellsten Beitrag finden Sie in den heutigen News. Dort verrät er Ihnen seine Meinung zu den bisherigen "Star Trek"-Kinofilmen. Im folgenden Interview äußert er sich zu "Nemesis" im Besonderen:
Frage: In "Nemesis" haben Sie die alte Crew wiedergesehen. War das ein wirklich nostalgisches Erlebnis oder hat sich seit damals alles verändert?
Wil Wheaton: Beides stimmt - eine gute Frage. Ich habe auf meiner Website nicht viel darüber geschrieben, weil ich die Erfahrung für mich behalten wollte. Ich weiß nicht warum. Es gibt Dinge, die muss ich sofort der Welt mitteilen, andere Dinge sind nur für mich bestimmt. Wieder auf das Set zu gehen, war eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens, und ich muss ein wenig weiter ausholen, damit man es versteht. Nachdem ich einige Jahre von "Star Trek" weg war, hasste ich es wirklich. "Star Trek" kam mir wie ein riesiger Schatten vor, der auf alles fiel, was ich tat. Ich meinte, ich würde mich nie davon lösen können. 2001 war ich auf einer großen Convention in Las Vegas und ging auch zur "Star Trek Experience". Sie hatten einige der Sets aus "The Next Generation" vollständig nachgebaut. So akkurat, dass ich das Gefühl hatte heimzukommen. Ich gehe oft zu Paramount zurück. Wenn ich dort herumlaufe, entsteht eine nostalgische Stimmung, aber gleichzeitig hat sich auch sehr viel verändert. Bei der "Star Trek Experience" hat sich überhaupt nichts verändert. Ich erinnerte mich, wie sehr ich die Serie mochte. Damals sagten meine Freunde, dass ich "Star Trek" niemals entkommen würde, und ich erkannte, dass schon der Versuch dumm wäre. Ich musste einen Weg finden, mich darauf einzulassen, anstatt wegzulaufen. Ich erkannte auch, dass ich nicht "Star Trek" hasste, sondern ich hasste mein eigenes Verhalten, nachdem ich die Serie verlassen hatte. Ich war ein dummer, arroganter, großmäuliger, unbeherrschter und ungebildeter Achtzehnjähriger, der sich für den Klügsten hielt und sich wie ein Idiot benahm. Jetzt kann ich meine Website nutzen, um mich öffentlich bei den Menschen, die ich damals kannte, zu entschuldigen und um die damalige Zeit positiv zu beleuchten. Kurz nach diesen Gedanken wurde ich gebeten, bei "Star Trek Weakest Link" (amerikanische Version von "Der Schwächste fliegt"; Anmerkung d. Redaktion) mitzumachen.
Frage: Worum genau ging es da? Es heißt, Sie hätten sich dort sehr seltsam und unreif benommen.
Wheaton: Das war ein großer Witz. Mein Ziel war es, Anne Robinson zu nerven und zu sehen, ob ich sie zum Lachen bringen könnte. Ich habe es geschafft, aber das wurde natürlich im Fernsehen nicht gezeigt. Sie ist im normalen Leben eine wirklich nette Person. Ich hatte dort viel Spaß. Viele Leute haben den Witz verstanden, aber manche eben nicht. NBC hat es schlimmer gemacht, indem sie es so darstellten, als ob Roxanne wirklich sauer auf mich war, was nicht stimmte. Es war alles ein Witz. Aber es hatte ein paar unerwartete Folgen. Aufgrund dieses Auftritts hat LeVar Burton mir eine Rolle in "Nemesis" verschafft. Ich hätte nicht aufgeregter sein können. Wie gesagt, es war als wäre ich nach Hause gekommen. Nicht viele Leute bekommen die Chance, ihre Teenager-Zeit noch mal "richtig" zu durchleben. Die meisten Teenager sind Deppen: Das ist Teil des Teenager-Seins. Man merkt das erst mit 30. Indem ich wieder auf das Set trat, konnte ich zu diesem Teil meines Lebens, mit dem ich sehr unzufrieden war, zurückkehren, und ihn noch einmal richtig erleben, genießen, akzeptieren und jeden Moment davon genießen. Es waren nur zwei Tage, aber ich hatte viel Spaß. Es war wunderbar, mit diesen Menschen, die ich wirklich mag zusammen zu sein - und gleichzeitig erwachsen zu sein und mit ihnen auf gleicher Augenhöhe zu sprechen. Jonathan Frakes sagte: "Wir sind alle nur älter und fetter geworden, du bist groß geworden."
Frage: Als man Ihnen mitteilte, dass die Szenen geschnitten worden sind, machte das nicht viel aus?
Wheaton: Nein, überhaupt nicht. Es war mir völlig egal. Die Szenen waren sehr kurz: Es war nichts, worauf ich den Fortgang meiner Karriere gebaut hätte. Es wurden auch keine offen Fragen bezüglich Wesleys Rolle beantwortet. Ich war einfach nur da. Und ob ich nun im Film erscheine oder nicht, ändert nichts an der tollen Zeit, die ich beim Dreh hatte.
Wenn Sie sich meine Website von Ende 2000 / Anfang 2001 ansehen, wirke ich wie ein Bergsteiger, der jedes Mal 30 Meter vor dem Gipfel anhalten muss, wenn er versucht, den Berg zu besteigen. Ich war immer kurz vor Filmrollen, die doch nichts wurden. Mir wurden von Freunden Jobs versprochen, die nie Wirklichkeit wurden. Es war einfach blöd. Als ich aus Nemesis herausgeschnitten wurde, hätte ich wirklich sauer und verletzt sein können, es hätte ins Schema gepasst. Aber es war nicht wichtig. Wichtig war, wieder mit Freunden zusammen zu sein. Es ist lustig, dass manche "Star Trek"-Fans über die Schnitte mehr verärgert waren als ich. Das war eine Überraschung, dass die Leute, die mich immer in den Schmutz gezogen haben, nun sauer waren, weil ich herausgeschnitten wurde.
Ich kenne die genaue Anzahl nicht, aber die Wesley-Hasser stehen nun einer viel größeren Zahl von Leuten gegenüber, denen es egal ist, und solchen, die meine Website gelesen haben und dabei erkannten, dass es eine echte Person hinter der Rolle gibt, die nicht so ist wie im Fernsehen. Das ist der größte Nutzen meiner Seite. Ich bin von einem unglücklichen Schauspieler in Schwierigkeiten zu einem glücklichen, immer noch kämpfenden Autor geworden. Ich konnte die Dämonen austreiben, die ich in jüngeren Jahren hatte. "Star Trek" war damals mein Leben und es war wirklich schwer, all diesen Hass zu ertragen von Leuten, die ich nicht kannte. Ich nahm es persönlich, und oft war es auch persönlich gemeint. Es hat mir wirklich die Freude an meiner Leistung verdorben, all dieser Ärger und die Grausamkeit. Jetzt schauen sich die Leute die Sache noch einmal an und erkennen, wer ich bin. Ich bin über das meiste hinweg. Ich bekomme Mails von Menschen, die sich für ihr früheres Verhalten entschuldigen, obwohl ich sie überhaupt nicht kenne!
Frage: Patrick [Stewart] soll einmal gesagt haben, dass er nicht noch einmal für "Star Trek" unterschreiben würde, jetzt da er den zeitlichen Aufwand einschätzen kann. Würden Sie noch einmal unterschreiben, jetzt da sie die Reaktionen der Fans erlebt haben?
Wheaton: (Tiefes Seufzen, Pause). Wenn ich gewusst hätte, dass "Star Trek" so groß rauskommen würde und meine Karriere so sehr beeinflussen würde, hätte ich es dann getan? Ja. Ich finde kein gutes Argument dagegen. Ich war sehr schlecht beraten, als ich die Serie verließ. Und ich ging nicht gerade in Freundschaft. Ich war überzeugt, dass ich zu einem völligen Verlierer werden würde, wenn ich "Star Trek" nicht verließe. Ich war sicher, dass ich nie wieder etwas anderes würde tun können. Ich weiß nicht, warum ich da so sicher war.
Frage: Hatte das auch etwas mit dem Konflikt bei der Besetzung von "The Next Generation" und dem Film von Milos Foreman zu tun (Mehr dazu auf Wil Wheatons Homepage)?
Wheaton: Das spielte eine große Rolle. Es regte mich wirklich auf, auch heute noch. Aber es gibt auch Leute, die bei "Star Trek" mitspielten und später großartige Arbeit abgeliefert haben, weil bei ihnen "Star Trek" eine Zeile im Lebenslauf ist, nicht der gesamte Lebenslauf. Es ist mir nie eingefallen, dass es auch für mich so sein könnte. Wenn ein Darsteller wirklich auf einen bestimmten Typ zugeschnitten ist und nur noch mit diesem Typ aus "Star Trek" identifiziert wird, sagt das etwas über den Schauspieler, nicht über "Star Trek". Wenn man Teil eines kulturellen Phänomens ist, ist es leicht, sich einfach zurückzulehnen und nicht mehr zu arbeiten, einfach für immer "dieser Typ" zu sein. Das wollte ich nicht zulassen. Hätte ich besseren Rat bekommen, wären die Dinge anders gelaufen, ich wäre geblieben. Sehr interessant ist dann wiederum, dass ich durch mein Bleiben die Schwierigkeiten, die ich hatte, nicht gehabt hätte und dadurch heute nicht der zufriedene und glückliche Mensch wäre, der ich bin."
Das zeigt, wie Wil Wheaton über viele Jahre durch Wachstumsprozesse hindurch gegangen ist - auch über Ereignisse von außen, die scheinbar nicht vom ihm erzeugt sind. Das Newsletter-Zitat verdeutlicht auf wunderbare Weise, was die Bewußtseinsvorgänge "Projektion" und "Widerstand" im eigenen Leben und im Leben der Zuschauer bewirken.
Was kann man jetzt aus den Antworten Wil Wheatons erkennen?
Er spielte eine Rolle, mit der sich kein Zuschauer identifizieren wollte, grob gesagt das Arschlochkind. Er selbst wollte das wohl auch nicht sein - und gerade deswegen erscheinen wir anderen Menschen oft so :-) Unser Widerstand sorgt dafür, daß wir kreierende Energie und Aufmerksamkeit auf genau das geben, was wir gerade nicht erfahren wollen.
Die Eigenschaften und die Bewertung/Verurteilung, die die Zuschauer seiner Rolle zusprechen, wie z.B. Besserwisserei, nervendes Gehabe und auch das Geniale erzeugen die Ablehnung, ja geradezu den Haß des Zuschauers. Doch warum ist das so? Diese Eigenschaften werden von vielen Menschen als nicht in Ordnung beurteilt und abgelehnt. Keiner will so sein. Und doch - in jedem von uns steckt ein kleiner Besserwisser, das nervende, bedürftige Kind und auch das Genie.
Das Geniale lehnen wir oft deswegen ab, weil wir uns neben so einem Menschen klein und dumm fühlen. Das ist nicht eines unserer beliebtesten Gefühle. Also machen wir einem Menschen mit genialen Zügen dort oder in anderen seiner gesehenen Eigenschaften herunter - damit wir uns besser fühlen können, nicht mehr so klein und dumm. Deswegen lehnen wir genauso oft genial erscheinende Menschen ab wie wir sie bewundern können.
Und so ähnlich ist es mit allgemein negativ bewerteten Verhaltensweisen wie Besserwisserei und nerviger Bedürftigkeit. Wir wollen nicht z.B. besserwisserisch sein, weil wir dann Ablehnung von anderen Menschen erfahren haben bzw. weil wir uns wiederum klein, dumm, belehrt und tiefer gestellt vorkommen, wenn wir Besserwisserei begegnen. Das wollen wir nicht unbedingt fühlen oder erleben.
Jedoch - wie gesagt - es steckt in jedem von uns. Aber wir wollen nicht so sein, darum verdrängen und verleugnen wir das. Das Verdrängte und Verleugnete wiederum taucht aus unserem Unbewußten projiziert in unserem eigenem Leben wieder auf - in Form unserer Mitmenschen oder Ereignissen, die uns das nicht Gewollte vor Augen führen. Und unsere Bewertung bzw. Verurteilung darauf erzeugen unsere Reaktion, unsere Ablehnung.
Wir erfahren aus meiner Sicht die abgelehnten Menschen und Situationen nicht als Bestrafung, sondern damit wir es uns bewußt machen und akzeptieren bzw. loslassen können. Eine Chance zur Heilung sozusagen, jedesmal, wenn wir in diesem Beispiel wieder so einem Besserwisser begegnen. Wir könnten den Widerstand auf "Besserwisserei" aufgeben, es akzeptieren, daß wir auch so sein können und frei wählen, ob wir gerade besserwissen wollen oder nicht. Also z.B. eine Wahl, nicht ein Besserwisser zu sein ohne die Kompensation durch Ablehnung des Besserwissens. So geschieht Heilung: Abgespaltene bzw. eingefrorene Bewußtseinsanteile werden integriert, wieder in den Fluß gebracht. Auf einmal könnte sich etwas ändern: Wir haben keinen Streß mit Besserwissern mehr, und irgendwie verschwinden diese Besserwisser aus unseren persönlichen Leben.
Das verrät also die emotionale oder mentale Reaktion eines Zuschauers in diesem Beispiel, also Gefühle oder Gedanken der Ablehnung und Verurteilung der Besserwisserei der Figur Wesley Crushers aus der Fernsehserie. Es zeigt, daß der reagierende Zuschauer selbst unbewußt glaubt, er sei ein Besserwisser und sich dafür verurteilt, also unbewußt Wut auf sich selbst und Schuldgefühle hegt.
Das will er nicht wahr-nehmen (er hat Widerstand darauf, so zu sein - durch die Verurteilung) und projiziert es unbewußt nach außen auf die Figur Wesley Crushers: Der ist so ein blöder und arroganter Besserwisser, nicht wir, die Zuschauer. Der regt uns auf, nicht wir selbst, die Zuschauer. Der ist so schrecklich, nicht wir, die Zuschauer.
Der Zuschauer, der sich über Wesley Crusher aufregt (eine Reaktion zeigt, in sich fühlt oder denkt) ist also des unbewußten Glaubens, er ist selbst so ein besserwisserischer, arroganter, nerviger Wesley Crusher.
Ein Mensch, der diese Eigenschaften integriert hat, also bereits frei und selbstbestimmt in dem Bereich dieser Eigenschaften lebt, reagiert nicht auf das Beispiel Wesley Crushers. Er kann mit solchen Menschen souverän umgehen, es gibt keine Probleme für ihn im Umgang mit z.B. Besserwissern.
Das ist eine Anwendung des Spiegelgesetzes - Die (persönliche) Welt um uns herum ist ein Spiegel unserer bewußten und unbewußten Glaubenssätze, Überzeugungen und Gefühle.
Dazu werde ich im Laufe der Zeit mehr Vertiefungen, Erläuterungen und Betrachtungen von anderen Standpunkten aus liefern.
Viel Erkenntnis aus diesen Anstößen und einen schönes Pfingstfest mit Muttertag 2008 wünscht Thomas
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